Wasserfall

Der weitere Verlauf des Wasserfall des Neuen Teiches
Der Neue Teich bei Zorge – Geschichte und Bedeutung
Wer heute am Neuen Teich oberhalb von Zorge steht, blickt auf ein idyllisches Gewässer, das sich harmonisch in die Landschaft des Südharzes einfügt. Seine Entstehung ist jedoch keineswegs natürlichen Ursprungs. Der heutige Neue Teich, früher Neuer Steinbacher Teich genannt, ist ein Werk der historischen Wasserwirtschaft und steht unmittelbar mit der Entwicklung des Bergbaus und des Hüttenwesens in Zorge in Verbindung.
Wasser als Grundlage der Zorger Eisenindustrie
Zorge gehörte über Jahrhunderte zu den bedeutenden Hüttenorten des Südharzes. Bereits im Mittelalter ist der Name Zorge im Zusammenhang mit dem Bach und einer Hütte überliefert. Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Zentrum der Eisenverarbeitung.
Für die Hüttenbetriebe war neben Erz und Holzkohle vor allem eines unverzichtbar: Wasserkraft. Mit Hilfe von Wasserrädern wurden Maschinen und Arbeitsanlagen angetrieben. Dazu gehörten unter anderem die sogenannten Poch- und Blasewerke. Die Wasserkraft sorgte dafür, dass schwere mechanische Arbeiten überhaupt wirtschaftlich durchgeführt werden konnten.
Bereits 1672 war oberhalb von Zorge im Kunzental ein Teich angelegt worden. Dieser sogenannte Kunzentaler Teich diente der Wasserversorgung des Hüttenbetriebes. Mit zunehmender Produktion reichte seine Wassermenge jedoch nicht mehr aus. Gerade in trockenen Zeiten kam es immer wieder dazu, dass die Wasserräder stillstanden. Damit war eine Ausweitung der Eisenproduktion kaum möglich.
Der Bau des Neuen Steinbacher Teiches
Um das Jahr 1780 veränderte sich die Situation der Zorger Hütte deutlich. Die Auftragslage verbesserte sich, und es konnte ein zweiter Hochofen betrieben werden. Dadurch stieg der Bedarf an Wasserkraft erheblich.
Der vorhandene Kunzentaler Teich konnte diese zusätzliche Wassermenge nicht zuverlässig bereitstellen. Deshalb wurde im Tal des Steinbachs ein weiterer Teich angelegt: der Neue Steinbacher Teich, der heute meist schlicht „Neuer Teich“ genannt wird.
Der Regionalverband Harz beschreibt den Zusammenhang ausdrücklich: Die Wasserkraft wurde benötigt, um Poch- und Blaswerke zu betreiben; der Kunzentaler Teich allein reichte für die geplante Produktionssteigerung der Zorger Hütte nicht aus. Deshalb entstand der Neue Steinbacher Teich.
Auch die archivalische Überlieferung bestätigt, dass die Wasserwirtschaft in Zorge zu dieser Zeit intensiv geplant und vermessen wurde. Im Niedersächsischen Landesarchiv – Standort Wolfenbüttel befindet sich beispielsweise ein auf 1784 datierter „General-Grund- und Profilriß“ der Wasserleitungen am Kuntzentalwasser, am Steinbach und am Zorge-Wasser. Die Karte dokumentiert damit eindrucksvoll, wie sorgfältig das Wasser für die verschiedenen Anlagen erfasst und verteilt wurde.
Ein ausgeklügeltes System aus Teichen und Wasserläufen
Der Neue Teich war dabei nicht isoliert zu betrachten. Er gehörte zu einem größeren System aus Teichen, Wassergräben, Leitungen und Wasserrädern. Das gespeicherte Wasser konnte kontrolliert abgegeben und dorthin geleitet werden, wo es für die Hütten- und Mühlenbetriebe benötigt wurde.
Das Wasser des Neuen Steinbacher Teiches trieb neben den Anlagen der Zorger Hütte auch weitere Wasserräder talwärts an. Dadurch hatte der Teich nicht nur für einen einzelnen Betrieb Bedeutung, sondern war Bestandteil einer ganzen gewerblichen Infrastruktur im Steinbachtal und in Zorge. HHarzlife
Wie wichtig diese Anlagen waren, zeigt auch die umfangreiche archivalische Überlieferung. Im Landesarchiv befinden sich neben Plänen aus den Jahren 1778 und 1784 weitere Zeichnungen und Unterlagen zu den Wasseranlagen des Zorger Reviers. Darunter ist ein Grund- und Profilriss aus dem Jahr 1800, der einen Wasserlauf im Bereich des Zorger Reviers dokumentiert.
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