Die Kirche „Zur Himmelspforte“ in Hohegeiß

Kirche in Hohegeiß

Die evangelisch-lutherische Kirche „Zur Himmelspforte“ steht im Zentrum des Harzdorfes Hohegeiß, das heute zur Stadt Braunlage im Landkreis Goslar gehört. Das heutige Kirchengebäude entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts und ist eng mit der Geschichte des Ortes verbunden. Als Fachwerkbau mit hölzerner Außenverkleidung gehört die Kirche zu den charakteristischen historischen Kirchenbauten des Harzes. Die Kirche und der angrenzende Friedhof stehen heute unter Denkmalschutz.

Die Geschichte des kirchlichen Lebens in Hohegeiß reicht jedoch wesentlich weiter zurück. Bereits im Jahr 1444 wurde auf Veranlassung des Klosters Walkenried eine Kapelle errichtet. Sie lag an einem alten Weg zwischen Walkenried, Goslar und Harzburg und diente vermutlich Reisenden und Pilgern als Ort des Gebets und der Andacht. Um diese Kapelle herum entwickelte sich nach und nach die Siedlung Hohegeiß. Im 17. Jahrhundert besaß die Kapelle bereits einen Turm und mehrere Glocken. Überliefert sind außerdem eine Kanzel, ein Beichtstuhl und weitere kirchliche Ausstattungsstücke.

Mit dem Wachstum der Bevölkerung wurde die alte Kapelle schließlich zu klein und war zudem baufällig. Deshalb beschloss man im Jahr 1701 den Bau einer neuen Kirche. Das neue Gotteshaus wurde etwas oberhalb des alten Kapellenstandortes errichtet. Der Bau dauerte von 1701 bis 1704. Am 9. Dezember 1704 wurde die Kirche feierlich eingeweiht. Der Name „Zur Himmelspforte“ steht in Zusammenhang mit dem biblischen Bild der „Pforte des Himmels“. Bereits mit der Vorgängerkapelle war die Bezeichnung „porta coeli“, also „Pforte des Himmels“, verbunden.

Architektonisch ist die Kirche ein für den Harz typischer Fachwerkbau. Der eigentliche Kirchenbau wurde zunächst ohne den heute so auffälligen großen Turm errichtet. Stattdessen besaß die Kirche einen Dachreiter. Im Inneren prägen eine umlaufende Empore, die Kanzelwand und eine hölzerne Decke den Raum. Die Kanzel und weitere Teile der Ausstattung wurden im Laufe des 18. Jahrhunderts ergänzt. Nach einer Spendensammlung konnte 1779 eine erste Orgel angeschafft werden. 1783 wurden die geschnitzten Kanzelwangen fertiggestellt. Damit erhielt die Kirche nach und nach ihren bis heute charakteristischen Innenraum.

Eine wichtige Veränderung erfolgte im 19. Jahrhundert. 1843 wurde zunächst ein eigenes Glockenhaus errichtet. Die noch heute vorhandene Kirchturmuhr wurde 1887 angeschafft. Im selben Jahr entstand auch die heutige Orgel, die auf den Orgelbauer August Friedrich Robert Knauf aus Bleicherode zurückgeht.

Der markante, 27 Meter hohe Kirchturm wurde schließlich 1893 an der Westseite der Kirche errichtet. Am 23. Juli 1893 wurde der Bau mit dem Aufsetzen des Turmknaufs feierlich abgeschlossen. Seitdem prägt der Turm das Erscheinungsbild der Kirche und ist zu einem Wahrzeichen von Hohegeiß geworden. Seine geschwungene Turmhaube mit der Laterne und dem darüber angebrachten Wetterhahn ist weithin sichtbar.

Auch die Geschichte des 20. Jahrhunderts hinterließ Spuren am Gebäude. Während des Ersten Weltkriegs mussten 1917 Glocken und Orgelpfeifen als sogenannte „Metallspende“ abgegeben werden. Im Zweiten Weltkrieg wiederholte sich die Abgabe von Glocken und weiteren Metallgegenständen.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde Hohegeiß zum Schauplatz von Kampfhandlungen. Am 14. April 1945 kam es zu schweren Kämpfen im Ort. Auch die Kirche wurde durch Artilleriebeschuss beschädigt. Betroffen waren unter anderem Teile der Wände, die Konstruktion des Turmes und eine Innentür. Auch die Christusfigur des Altarkreuzes wurde beschädigt. Die Spuren dieser Ereignisse gehören zur wechselvollen Geschichte des Kirchengebäudes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich auch die religiöse Zusammensetzung des Ortes. Durch Flucht und Vertreibung kamen zahlreiche katholische Christen nach Hohegeiß. Zeitweise lebten dort etwa 400 Menschen katholischer Konfession. Da zunächst keine eigene katholische Kirche vorhanden war, wurde die evangelische Kirche „Zur Himmelspforte“ auch für katholische Gottesdienste genutzt.

1971 wurde schließlich die katholische Kirche „Heilig Geist“ errichtet. Dadurch endete die gemeinsame Nutzung der evangelischen Kirche. In den folgenden Jahren wurde die „Himmelspforte“ umfassend renoviert. Die Innenräume erhielten neue Farben, die Fenster wurden erneuert und die Orgel überholt. Am 22. Dezember 1974 wurde die renovierte Kirche wieder in Dienst genommen.

Auch die Geschichte der deutschen Teilung ist mit Hohegeiß und damit indirekt mit der Kirche verbunden. Die innerdeutsche Grenze verlief nur wenige Kilometer beziehungsweise unmittelbar am Rand des Ortes. Hohegeiß lag damit in einer besonderen Grenzlage und war vom politischen Geschehen der deutschen Teilung unmittelbar betroffen. Die Kirche blieb dabei ein wichtiger Mittelpunkt des Gemeindelebens.

Nach der deutschen Wiedervereinigung änderte sich die Situation des Ortes erneut. Die katholische Kirche „Heilig Geist“ wurde im Jahr 2008 profaniert. Damit ist die evangelische Kirche „Zur Himmelspforte“ heute wieder das einzige Kirchengebäude in Hohegeiß.

Die Kirche „Zur Himmelspforte“ ist somit weit mehr als ein historisches Gebäude. In ihr spiegeln sich über Jahrhunderte hinweg die Entwicklung und die wechselvolle Geschichte von Hohegeiß wider. Von der mittelalterlichen Kapelle aus dem Jahr 1444 über den Neubau von 1701 bis 1704, die Erweiterung durch den markanten Kirchturm im Jahr 1893 und die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs bis hin zu den Renovierungen und Veränderungen der Nachkriegszeit lässt sich an der Kirche ein bedeutender Teil der Ortsgeschichte ablesen.

Heute steht die „Himmelspforte“ als sichtbares Zeugnis der langen Geschichte von Hohegeiß im Mittelpunkt des Ortes. Der Fachwerkbau, der hohe Kirchturm und der unmittelbar angrenzende Friedhof prägen das historische Ortsbild und erinnern an eine Zeit, in der Kirche und Dorfleben noch untrennbar miteinander verbunden waren.

Kapelle Hohegeiß
Kapelle Hohegeiß